Christian

THE NEW YORK CITY MARATHON … mein Marathon-Traum wurde wahr!

Hallo,

ich heiße Christian, bin 24 Jahre alt und mache seit August diesen Jahres meine Ausbildung als Mechatroniker bei ThyssenKrupp Rasselstein. Anfang November hatte ich das Glück am diesjährigen New York City Marathon teilzunehmen zu können. Meine Erlebnisse möchte ich im Folgenden nun mit euch teilen.

Endlich war also der Zeitpunkt gekommen auf den ich die letzten 16 Wochen intensiv trainiert hatte. Während dieser 16 Wochen war ich 5 – 6 mal in der Woche laufen und habe eine Gesamtdistanz von circa 1.400 Kilometern zurückgelegt. All das ganze Training für den heutigen Tag. So stand ich nun hier unter tausenden Mitläufern in New York City, genauer gesagt im Stadtteil Staten Island. Mit dem heutigen Lauf soll sich also für mich der Traum eines jeden Marathonläufers erfüllen. Einmal den New York City Marathon zu laufen. Aber zunächst einmal alles von Anfang an…

Hinreise 31.10.2013

Morgens um kurz nach 2 Uhr ging mein Wecker. Der Tag der Hinreise war gekommen. Jetzt ging es also auf in Richtung Flughafen Frankfurt. Bereits am Bahnhof in Montabaur trafen wir unsere Reisegruppe. Somit ging die Zeit bis zum Start schnell vorüber. Der Flug war mit fast 9 Stunden sehr lang, allerdings boten sich kurz vor der Landung atemberaubende Blicke über New York City. In weniger als 72 Stunden würde ich durch diese Stadt mit über 50.000 anderen Teilnehmern durch die Straßen laufen.

Da die Einreise in die USA nicht ganz so einfach ist, mussten wir noch eine Zeit am Flughafen verbringen. Hier wurden Fotos und Fingerabdrücke genommen und noch diverse Formulare ausgefüllt. Zum Glück ging dies alles ohne größere Verzögerungen und danach ging es zum Ausgang, wo uns unsere Reiseleitung empfing.

New York City

Bei nicht ganz idealem Wetter ging es nun mit einem Shuttlebus Richtung Hotel. Nach ca. 1 Stunde Fahrt waren wir an unserem Hotel angekommen, dem Hotel New Yorker, welches direkt am berühmten Madison Square Garden liegt. Im Hotel checkten wir dann flott ein und begaben uns danach zum Times Square und Central Park. Hier konnte man schon erkennen, dass bald der Marathon stattfinden würde. Überall waren Läufer unterwegs und schauten sich die letzten Kilometer des Marathons an. Gegen 18 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zur Sixt Avenue. Hier fand heute die 40. Halloween Parade mit über 40.000 Teilnehmern und ca. 1 Million Zuschauern statt. Überall liefen verkleidete Leute herum und es war eine herrliche Stimmung in den Straßen von Manhattan. Gegen 24 Uhr waren wir dann wieder im Hotel und fielen in den Schlaf.

01.11.13 – 02.11.13

Die nächsten zwei Tage konnten wir nun ganz dem geplanten Sightseeing widmen. Und das hieß schon vor dem großen Sonntag: Laufen! Laufen! Laufen!

Der Freitag begann für mich um 6 Uhr, da der erste Morgenlauf auf dem Plan stand. So lief ich also direkt vom Hotel zum Hudson River runter und von dort Richtung Südmanhatten dem Freedomtower immer entgegen. Der Ausblick der sich einem bot war einfach nur unbeschreiblich, bei aufgehender Sonne den Wolkenkratzern Downtown Manhattans entgegen war der perfekte Start in einen wundervollen Tag.

Danach wurde dann erst einmal gefrühstückt um anschließend zur Marathonmesse zu gehen, um sich schon einmal die Startunterlagen zu holen. Auf der Messe erhielt ich im Tausch gegen meine Registrierungskarte meine Startunterlagen. Des Weiteren erhielt ich dort auch noch meinen Beutel für die Kleidung am Starttag und diverse Merchandise Artikel.

Danach begannen wir mit dem Sightseeing. So ging es also zum Broadway, Time Square, Ground Zero, zum Ausblick über Manhattan auf das Rockefeller Center, Wallstreet und zur Fifth Avenue.

Da die Stadt einfach nur riesig ist, war es sehr gut, dass wir uns vorher einen Plan gemacht hatten. Freitagabends fand dann bereits das erste Highlight statt. Ein Besuch eines NBA Spiels und zwar das Spiel der Brooklyn Nets gegen die Miami Heat. Es war ein klasse Spiel und man merkte sofort, dass hier zwei absolute Topteams gegeneinander spielten. Am Ende gewann Brooklyn mit 101:100. Morgens um halb eins waren wir dann endlich wieder im Hotel und fanden unseren Schlaf sehr schnell – der leider durch viele Polizeisirenen öfters unterbrochen wurde.

Samstag

Aufstehen erneut in aller Frühe. Denn um 7:30 Uhr wollte ich die letzten 5 Kilometer des Marathons durch den Central Park laufen. Als wir dort ankamen waren bereits schon viele Läufer unterwegs und machten ihre ersten Erfahrungen mit den vielen Hügeln und den letzten, wohl harten, Metern im Marathon. Kurz vor der Finishline wurden wir dann noch von Priscah Jeptoo und Geoffrey Mutai, den beiden späteren Siegern des Marathon, überholt. Einfach wahnsinnig, was diese Leute allein im Training für ein Tempo laufen!

Bei wunderschönem blauen Himmel und sehr angenehmen 23° C ging es später dann zur 3-stündigen Bootstour um Manhattan herum. Hier bekamen wir einen tollen Ausblick auf alle Sehenswürdigkeiten.

Am Abend folgte dann ein weiteres Highlight. Mit einer Stretchlimousine fuhren wir zwei Stunden durch Manhattan über den Times Square bis zum Battery Park ganz im Süden von Manhattan. Hier hatten wir einen atemberaubenden Blick bei Sonnenuntergang.

Danach ging es noch zum Abschluss mit der Limousine zum Central Park, wo die offizielle Pastaparty stattfand. Hier stärkte ich mich noch einmal mit einer großen Portion Nudeln bevor ich um 21 Uhr ins Bett ging um ausgeruht für den Marathon zu sein.

Race Day

3. November 2013 – 04:30 Uhr – wieder einmal der Wecker…

Endlich war es so weit, der große Tag war gekommen. Vor ca. einem Jahr hatten wir diese Reise gebucht und seitdem hatte ich mich auf diesen Tag vorbereitet. Also raus aus den Federn und ab in die Laufkleidung. Danach ging es sofort in die Lobby unseres Hotels um dort mit dem Bus zum Start der Verrazano Bridge zu fahren. Die Sonne ging während der 80-minütigen Fahrt erst auf. Bei der Brücke angekommen, suchten wir uns zunächst einen Platz auf einer der großen Wiesen, um uns dort vor dem Wind zu schützen. Leider war heute nicht so ideales Wetter, es nieselte etwas und der Wind war mit Böen bis zu 55 km/h stark. Deswegen hieß es jetzt warm anziehen und nicht die Geduld zu verlieren, denn bis zum Start meiner Welle (Startwelle 3) waren es noch 3,5 Stunden. Die Zeit allerdings verging wie im Flug, überall waren Läufer aus den verschiedensten Teilen der Welt und mit allen kam ich ins Gespräch. Wir redeten über den Marathon, über New York City oder warum wir überhaupt laufen. Und schon jetzt stieg bei uns allen mit jeder Minute die Aufregung. So rannte die Zeit davon und etwa 45 Minuten vor dem Start brachte ich meinen Kleiderbeutel zum UPS Kleiderwagen. Erstaunlicherweise verlief alles ohne Probleme und ewiges Warten, der komplette Marathon war wirklich 1A organisiert. Die von mir mitgebrachten alten Kleidungsstücke, welche mir für die Wartezeit Wärme gaben, hatte ich bereits ausgezogen und in einen der Behälter gegeben, um diese an Bedürftige in den USA zu spenden. Kurz darauf war es auch schon 10 Uhr und es schallte aus den Boxen: „Bitte begeben sie sich zu Ihrer Startcorral!“! Nur noch wenige Minuten für mich. Die ersten beiden Startwellen waren bereits am Laufen und man hörte bei jedem Start die riesige Kanone, welche den Start freigab. Leider war ich aufgrund von organisatorischen Problemen zwischen dem Veranstalter und meinem Reisebüro in die falsche Startwelle geraten und musste somit in der 3. statt der 1. Welle starten.

Die Verrazano Bridge, die größte und längste Hängebrücke in Nord- und Südamerika.

Der Marathon

Hier stehe ich also an der Startlinie, auf dem oberen Teil der Brücke. Ich habe zum Glück einen Platz in der ersten Reihe ergattern können und stehe hier nun gespannt auf meine Uhr blickend. Plötzlich ein lauter Knall! Der Startschuss ist gefallen. Die Masse jubelt.

Nun geht es also endlich los! Es kribbelt am ganzen Körper. Aus den Lautsprechern ertönt Frank Sinatras „New York, New York“. Es sind so viele Leute um mich herum. Von der Brücke aus habe ich einen fantastischen Blick auf die riesige City von New York. Neben uns fliegen Helikopter des NYPD maximal 20 Meter an uns vorbei.

Auf der Mitte der Brücke bemerke ich auf einmal etwas, was ich bisher immer nur für ein Gerücht hielt, die ganze Brücke bewegt sich auf und ab! Was für ein Gefühl! Das Schild „1 Meile“ taucht auf. Ich schaue kurz auf meine Uhr und sehe, dass ich gut in der Zeit liege, zum Glück konnte ich aus der ersten Reihe direkt mein Tempo laufen und jeden Meter genießen.

Nach 3 Meilen höre ich schon die Zuschauer am Ende der Brücke. Es ist unbeschreiblich, wie laut diese sind! Ab hier führt mich mein Weg durch Brooklyn. Die Zuschauer sind sehr laut. Sie feuern jeden an und machen überall eine riesige Party.

Ab „Meile 8“ kommt dazu auch noch die Sonne raus und der Wind lässt etwas nach. Dann ein weiteres Highlight, bei der Halbmarathonmarke laufen wir über die Pulaski Bridge von Brooklyn nach Queens. Von der Brücke aus hat man einen wunderschönen Blick über Midtown Manhattan, ich laufe am Empire State und Chrysler Building vorbei.

In den Straßen herrscht auf einmal eine wahnsinnige Lautstärke. Die Zuschauer an beiden Seiten drängen sich dicht an dicht und geben alles! Hier sieht es aus, wie bei der Tour de France, wenn es eine Bergankunft gibt. Danach geht es weiter durch Queens bis es bei Meile 15 mit der Queensboro Bridge über den East River nach Manhattan geht. Ab hier kann ich leider mein Tempo nicht mehr ganz halten, da es einfach zu voll auf den Straßen wird. Aber in diesem Moment macht mir das alles nichts, das Gefühl ist einfach unbeschreiblich! Die Länge der Brücke beträgt mehr als 3 Meilen und hier stehen keine Menschen, da dies leider verboten ist, aber direkt nachdem wir die Brücke verlassen und auf die First Avenue laufen schreien uns über 1 Million Zuschauer entgegen, die Leute stehen teilweise in 6 – 10 Reihen. Der Blick ist unglaublich, diese Straße scheint einfach nicht aufhören zu wollen.

Mit ihren 4,5 Meilen führt sie von Manhattan in die Bronx. Hier folgen die Brücken Nummer 4 und 5. Bei „Meile 21“ verlassen wir die Bronx auch schon wieder und befinden uns wieder in Manhattan. Nur noch 5 Meilen denke ich mir und fange an jeden der folgenden Augenblicke mehr und mehr zu genießen.

Die Zuschauer stehen hier wieder in 6 – 8 Reihen. Die 3 Meilen bis zum Central Park vergehen wie im Flug, überall feuern die Zuschauer einen an und überall ertönt aus gigantischen Anlagen Musik. Und das Beste kommt jetzt noch, „Meile 24“ der Eingang zum Central Park.

Wenn bis jetzt schon viele Zuschauer an der Strecke standen, dann sind es hier mindestens doppelt so viele. Es ist unglaublich, wie viele Zuschauer hier sind. Ich bekomme Gänsehaut. Mir fällt kein Moment ein, der mich so sprachlos gemacht hat wie dieser! Trotz des welligen Parks mit vielen auf und abs fühle ich mich weiterhin blendend. Die ganze Zeit hatte ich mit einem Einbruch gerechnet, aber er kam einfach nicht. Ich kann also jeden einzelnen Meter des Marathons komplett genießen. Und dann kommt sie auch schon, die letzte Kurve. Hier steht eine riesige Leinwand die Livebilder des Marathons überträgt. Dann das Schild mit der Aufschrift „200 HUNDRET METERS“. Ich ziehe noch einmal das Tempo an und laufe weiter, diese Momente sind einfach fantastisch! Am liebsten würde ich noch weiter laufen, einfach immer weiter und jeden Moment dieses tollen Laufes und der einzigartigen Zuschauer genießen. Neben mir tauchen die prall gefüllten Tribünen auf. Die Stimmung ist gigantisch! Diese Stimmung kann man einfach nicht toppen! Noch 10 Meter und ich überquere das Ziel. Ich schaue nach oben zu den Fotografen und beende mit einem Dauerlächeln den 43. ING New York City Marathon.

Im Ziel

Am Ende zeigt meine Uhr eine Zeit von 3:54:26 auf (Brutto 4:40:22, da die erste Startwelle 50 Minuten vor mir gestartet war). Zwar konnte ich meine angestrebte Zeit nicht einhalten, da es einfach viel zu voll bei 50.740 Startern war, aber am Ende habe ich über 23.000 Läufer überholt und belege den 12.905 Platz von über 50.000. Aber die Zeit war bei einem solchen Lauf wie diesem eh zweitrangig. Dieser Moment und diese Erlebnisse sind viel mehr wert!

Mein Traum vom New York City Marathon ist wahr geworden!

Einer der 12.000 Helfer hängt mir die Finisher Medaille um. Überglücklich und stolz begebe ich mich langsam zum Ausgang. Mein Ziel ist der ausgemachte Treffpunkt von unserer Reisegruppe. Auf dem Weg dorthin unterhalte ich mich mit vielen Läufern. Man kann hier jedem die Begeisterung ansehen! Nach 2 Kilometern bin ich am Ausgang und die Glücksgefühle bleiben weiterhin bestehen.

Der Abend danach

Jetzt kann das Feiern beginnen! Mit den Medaillen um den Hals stiegen wir aus der U-Bahn. In Downtown Manhattan hatten wir einen Tisch in einem kleinen Restaurant reserviert. Hier gab es erst einmal Glückwünsche von allen Anwesenden. Dies passierte uns den ganzen Abend noch, überall, wo wir mit einer Medaille hinkamen gratulierten uns vollkommen fremde Menschen und fragten uns, wie der Marathon war und wie toll sie das Event, die Läufer und die erbrachte Leistung fanden.

Nachdem wir noch ein Gruppenbild gemacht und gegessen hatten, machte ich mich mit einer kleineren Gruppe noch in einen Irish Pub auf. Hier feierten wir noch ein wenig und ließen den Abend dann ausklingen. Immer noch emotionsgeladen, aber ziemlich müde, kehrten wir schließlich in unser Hotel zurück. Wir hatten einen wahnsinnigen und immer in der Erinnerung verbleibenden Tag erlebt. So möchte man immer einschlafen!

Goodbye New York

Am Montagmorgen waren wir schon ziemlich erledigt, das kann man so sagen. Aber es überwogen einfach die Erinnerungen an den Tag davor. Uns blieben noch ein paar Stunden, bis wir mit dem Bus zum Flughafen gebracht werden sollten. Als erstes machten wir uns auf den Weg zum Ziel im Central Park, hier fand heute die große Finishermesse statt. Hier erwarb ich noch eine Ausgabe der New York Times, in der alle Finisher aufgelistet sind.

Danach machten wir uns auf dem Weg zum Empire State Building um noch einmal einen herrlichen Blick über die Stadt zu erhalten.

Anschließend packten wir im Hotel unsere Sachen zusammen, checkten vorsorglich rechtzeitig aus und schlenderten noch ein wenig durch die City. Gegen 16 Uhr wurden wir dann vom Bus abgeholt und zum Flughafen gebracht. Müde und von den Eindrücken der letzten 5 Tage überwältigt, flogen wir wieder nach Deutschland.

Abschließend kann ich nur sagen, dass die gesamte Reise, insbesondere der Marathon in New York, ein unvergleichliches Erlebnis war! An diese Tage werde ich noch in vielen Jahren gerne zurückschauen und daran denken.

Ich hoffe euch hat mein „kleiner“ Artikel über New York City und den Marathon gefallen.

In Zukunft werde ich mich dann als Blogger hier des Öfteren melden, dann werden die Artikel etwas kürzer. 😉

Viele Grüße

Christian

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