Gastblogger

Road to Hannover – Worldskills Germany 2015

Vor einem Jahr wurden wir, Vanessa Phillips und Tobias Witte,  Auszubildende im Bereich Mechatronik, jetzt im dritten Jahr der Ausbildung, von Herrn Blank, Koordinator der gewerblichen Ausbildung, angesprochen, ob wir zu einem Trainingscamp für Mechatroniker der Firma FESTO in Esslingen fahren möchten. Da wir beide gerade gemeinsam ein Projekt bei „Jugend forscht“ erfolgreich abgeschlossen hatten, mussten wir nicht lange überlegen um zuzusagen. Aus dem Trainingscamp heraus ergab sich dann die Chance für uns, an den Worldskills Germany 2015 teilzunehmen. Keiner von uns wusste zu diesem Zeitpunkt, welche Herausforderungen uns erwarten würden, da bisher von Rasselstein noch nie ein Team daran teilgenommen hatte.

Der Wettbewerb wurde im Rahmen der Didacta in Hannover ausgetragen, und zwar in der letzten Februarwoche 2015.

Als wir, Vanessa, Tobias und unser Ausbilder Markus Müller als unser Betreuer und Experte beim Wettbewerb,  uns am Montagmorgen in der A+F trafen, um nach Hannover aufzubrechen, kam uns als erstes ein Gedanke: es ist zwar noch Februar, aber warum muss es ausgerechnet heute Morgen schneien??  😀  Nach diesem ersten Schock fingen wir dann an, alle unsere Sachen in den Transporter zu laden, und wir machten uns gegen 09:30 Uhr frohen Mutes auf den Weg nach Hannover. Wir wollten so schnell wie möglich zur Autobahn und entschieden uns über Rengsdorf zu fahren, aber es sollte sich zeigen: Fehlentscheidung! 😀  Statt in 20 Minuten auf der A3 zu sein, standen wir eineinhalb Stunden im Schnee und bewegten uns so gut wie gar nicht. Wir nutzen dann eine Chance von der Straße weg zu kommen und fuhren über Dörfer wieder ins Tal. So kamen wir dann um 11:45 Uhr wieder an der A+F an und starteten dann Versuch zwei. Das klappte dann auch besser, obwohl wir auch auf der A48 einen Stau umfuhren und auch dort an einer Menge liegen gebliebener LKWs vorbei mussten, dies ist mit einem Kleintransporter mit einer leichten Hinterachse immer ein kleines Abenteuer 😀

Aber erst einmal auf der Autobahn gen Norden angekommen, war die Lage wieder entspannt und nichts stellte sich uns mehr in den Weg. In Hannover angekommen,  fuhren wir direkt zur Messe, um unsere Werkzeuge auszuladen und um den Stand , der unser Arbeitsplatz für die Woche werden sollte,  zu besichtigen. Danach stellten wir mit Freude fest,  dass unser Hotel nahe am Eingang West war und wir deshalb nur einen kurzen Weg am Morgen vor uns haben sollten. Nachdem wir das Hotel bezogen hatten, gingen wir noch etwas Essen und dann schlafen.

Nach dem Frühstück am Dienstag dann die Ernüchterung: der Eingang West, den wir angepeilt hatten, war geschlossen. Wir mussten einmal ums Gelände herum zum Eingang Nord. Nachdem wir also wieder am Stand angekommen waren, folgte eine kurze Begrüßung durch vom Ausrichter des Wettbewerbes, der Firma FESTO. Darauf folgte ein Treffen der Experten, und wir als Teilnehmer konnten die Zeit nutzen, die Messe Didacta ein wenig zu erkunden. Da in unserer Halle alles rund um das Thema Technik und Ausbildung zu finden war, gab es das ein oder andere zu entdecken.

Wieder zurück auf dem Stand von Worldskills Germany Mechatronics konnten wir dann den uns zugewiesenen Bereich beziehen und alles für den nächsten Tag vorbereiten. Mit den anderen Teilnehmern kam man auch langsam ins Gespräch und lernte sie und ihre Ausbildungsbetriebe kennen. Auch wiesich die anderen Teams und wir selber uns vorbereitet hatten,  war erst mal ein Gesprächsthema. Hier waren durchaus Unterschiede bei den Teams erkennbar, was die Intensität der Vorbereitung angeht.  Als dann alles Offizielle zu Ende war, gingen wir mit unserem Ausbilder noch einmal über die Messe und kehrten dann ins Hotel zurück.

Mittwochs standen dann die ersten zwei „Tasks“an, die erste Aufgabe war der Aufbau und die Programmierung einer bekannten Station in drei Stunden. Man konnte die Anspannung unter den Teilnehmern richtig spüren als es endlich losging.  Nachdem noch der ein oder andere Fehler in der Aufgabenstellung und Fragen geklärt waren, war es dann soweit. Alle checkten ein letztes Mal ihre Systeme, signalisierten ihre Bereitschaft und mit dem Startpfiff ging es los. Alle eilten in ihre Bereiche, jeder an seine Aufgaben, bei uns programmierte Vanessa, ich baute die Mechanik auf. Am Ende der unter Wettbewerbsbedingungen und Stress viel zu kurzen 😀 Zeit gab es die ersten funktionierenden Systeme und einige, die noch Kinderkrankheiten hatten. Nichts desto trotz folgte die erste Bewertungsrunde, bestehend aus drei Teilen:  a) der Funktionalität des Programms, b) der Kontrolle der Verdrahtung via I/O-Panel und c) der Einhaltung des Professional Practice, d.h. einer Bewertung, wie sauber gearbeitet wurde, z.B. die Sauberkeit des Arbeitsplatzes oder sauberes Anklemmen der Drähte.

Nach einer Pause kam dann Task 2, eine Wartungsaufgabe. Es wurden zwei Bauteile gezeigt, die ausgebaut, vorgezeigt und wieder eingebaut werden mussten, man konnte sich für schnelles Arbeiten Zeitpunkte sichern, oder aber Fehler aus Task 1 suchen und berichtigen. Wir hatten uns für die Fehlersuche Task 1 entschieden. Danach wurde alles wieder von den Experten nach den drei Punkten geprüft, und der erste Wettkampftag war beendet. Die Gedanken gingen schon zum nächsten Tag, wo die umfangreichste Einzelaufgabe anstand, der sechsstündige Aufbau einer unbekannten Station.

Wir kamen also alle am Donnerstag Morgen wieder zusammen, mehr oder weniger ausgeschlafen als noch am Tag davor. Es herrschte allgemeine Aufregung  „Was wird wohl drankommen?“ war das meist diskutierte Thema  am diesem Morgen 😀

Als die Aufgabe dann präsentiert wurde, stellte sich die Frage, was soll diese Anlage denn jetzt können? Nicht unwesentlich, wenn man den Ablauf programmieren will. Man wünschte sich noch gegenseitig viel Glück und mit dem Startpfiff war man wieder in seiner eigenen Welt, markiert durch das Klebeband am Boden. Alles außerhalb war irrelevant und wurde ausgeblendet. In der Pause dann die Fragen an die neu gewonnenen Freunde:  „Na?“ „Und?“ die meist mit einem Grinsen und Augenrollen beantwortet wurde. Viele diskutierten frei über einzelne Funktionen und Probleme und halfen sich gegenseitig. Wir nutzen die Pause auch, um uns mit den von Rasselstein Nachgereisten zu unterhalten. An Herrn Berssem, unserem Ausbildungsleiter, Herrn Blank und Herrn Brach wurden die ersten Erfahrungen der letzten Tage weitergegeben und sie wünschten uns noch viel Glück für den restlichen Tag. Nachdem dann auch die zweiten drei Stunden abgelaufen waren und es wieder an die Bewertung ging, war klar, dass nur die wenigsten Anlagen fehlerfrei liefen. Trotzdem herrschte gute Laune, man hatte ja das Schlimmste erst mal überstanden 😀

Abends saßen wir dann gemütlich zusammen, ließen den Tag noch einmal Revue passieren und fielen am Ende einfach sehr müde ins Bett.

Am letzten Wettkampftag Freitag waren dann bei allen Teams die Anstrengungen der letzten Tage deutlich zu sehen, aber trotzdem waren wir alle voller Tatendrang, und wir wollten weitermachen, denn es standen ja noch zwei weitere Tasks an. Heute ging es im ersten Schritt wieder um eine Wartungsaufgabe, im zweiten sollte eine Optimierung des gesamten Arbeitsablaufes der von uns montierten Anlage vorgenommen werden. Aber wie die meisten Teams nutzten auch wir die Zeit vor allem,  die Anlage in einen komplett funktionsfähigen Zustand zu versetzen.

Als dann auch diese beiden Aufgaben bestritten und bewertet waren, mussten die Arbeitsbereiche geräumt werden, um Platz für die Siegerehrung zu schaffen. Und dann kam erst einmal eine lange Zeit des Wartens. Eingeleitet durch einige Reden von Verantwortlichen kam der spannendste Teil der Siegerehrung, die ersten drei Plätze wurden nach vorne gerufen, Platz eins ging an die Firma FESTO, gefolgt von Firma Rogers auf dem zweiten Platz und Firma SICK auf dem dritten Platz. Leider wurden die weiteren Plätze erst abends verkündet. Wie wir dann erfuhren, landeten wir mit unseren Leistungen auf einem guten 10ten Platz.

Bevor wir zum gemeinsamen Abendessen aufbrachen, packten wir unsere Sachen zusammen und wollten alles schon mal mit zum Auto nehmen, um am nächsten Tag nicht die Ausrüstung über das volle Messegelände tragen zu müssen. Wir stellten alles auf unseren Werkzeugwagen und rollten los. Herr Müller sagte noch scherzhaft, „Hoffentlich schafft der Wagen das bis zum Auto“ und keine zehn Meter weiter lagen alle Koffer auf dem Boden, die vorderen Beine des Wagens waren einfach weggebrochen 😀 Nach einem mehrminütigen Lachanfall aller Umstehenden, kam die Ernüchterung: alles Schwere selber tragen. Dennoch ein absolutes Highlight 😀

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel ging es dann mit dem Zug in die Stadt, zu einem Hofbräuhaus. Nach dem Stress und der Anstrengung der letzten Tage konnten wir hier die neuen Freundschaften noch einmal in lockerer Runde vertiefen.

Samstags stand noch eine Feedbackrunde an und auch die Experten setzten sich zusammen. Wir zogen noch einmal mit dem Team der Firma Harting los, um ein letztes Mal Messemerchandise einzusammeln und eine Runde Tischkicker Harting vs Rasselstein auszutragen.

Die Rückfahrt verlief dann ohne großartige Verzögerungen,  und wir waren nachmittags endlich wieder zurück in Neuwied.

Im Nachhinein können wir nur sagen, dass die Woche in Hannover, so anstrengend sie auch gewesen war, ein gelungenes Abenteuer war, auf das wir uns jederzeit wieder einlassen würden. Sowohl die Vorbereitung auf die Woche, als auch die Woche an sich haben einen ungeheuren Spaß gemacht und wir haben auch noch eine Menge dabei gelernt. Auch der Kontakt zu Berufskollegen in ganz Deutschland war spannend und informativ,  und der Kontakt zum einen oder anderen wird sicher bestehen bleiben, nach dieser gemeinsamen intensiven Woche.

Falls ihr also selber mal die Chance bekommen solltet, an einem solchen Wettbewerb teilnehmen zu können – lasst euch die Chance nicht entgehen 😉

Vanessa und Tobias